Bahn- Leben am Limit

IMG_8958Bei Ute und Lars hier in Nordhorn ist es wirklich sehr entspannt. Das sollte aber bald ein Ende haben. Leider. Am Morgen hieß es nach dem Frühstück erstmal wieder Unfug quasseln, während ich mein ICE-Ticket (ja, es musste schnell gehen!…!!!) nach München buchte. Auch wenn man noch Stunden hätte füllen können, hieß es dann auch hier Abschied nehmen. Das fiel mir ehrlich gesagt etwas schwer. Diese beiden habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Zwei ganz liebevolle Menschen mit dem Herz am rechten Fleck.IMG_8965 Und dazu war noch eine Flasche Weizenbier übrig. Aber man muss ja zur nächsten Station. Sonst hätte ich sofort die Einladung eine weitere Nacht zu bleiben glatt angenommen. Ich bekam noch einen holländischen “Guten-Morgen-Kuchen” mit, den ich sofort eingesteckt hatte, da der Zeitdruck immer größer wurde. Abschied von der lieben Ute und mit etwas “Tinte” in Richtung Bahnhof.

Unterwegs die Uhrzeit mal gecheckt stellten wir fest, dass der Zug schon ohne mich losgefahren sein könnte. Nein. War er nicht! Auf Grund einer defekten Klimaanlage, wurde der Zug gewechselt. Mein Gastgeber Lars schnappte sich meinen Trolly, ich meinen riesigen Rucksack und ab ging es in den Zug. Unglaublich viele Menschen, 38 Grad Hitze im Zug und zu dem noch Lars. „MENSCH! NUN RAUS MIT DIR! Danke dir für diese tolle Zeit und hau rein!” sagte ich zu ihm. Denn nicht dass der Zug losfahren würde und Lars steht noch immer hier im Zug. Das wäre äußerst ungünstig. Er verließ die Bahn und ich kämpfte mich mit dem schweren Gepäck durch die Massen von Menschen.

Nirgendwo war ein Platz frei. Das gibt es doch nicht! Ich fahre nun 8 Stunden nach München und diese soll ich im Stehen verbringen? NO WAY! Zumal ich ja noch diese Sitzplatzreservierung hatte. Aber die galt eh nicht, da es einfach andere Wagons waren als geplant. Sauber deutsche Bahn! Sorry, musste jetzt mal sein. Ich drückte mich und mein Gepäck also durch die Menschen, sah ein paar Meter vor mir schon eine Tür und plötzlich schob sich Lars wieder in mein Blickfeld. Diese verrückte Nase! Schwang der sich doch wirklich nochmal in den Zug um mir bepackten Esel diese Durchgangstür zu öffnen. Ich dachte mein Schwein pfeift! Innerlich habe ich laut gelacht, äußerlich breit gegrinst. Was für ein liebenswürdiger verrückter Hund! Klasse Typ! Er verlor mich dann aber aus den Augen, ich dafür fand aber einen Sitzplatz.

Wir verließen den Bahnhof und Lars schickte mir die Info, warum die Bahn gewechselt wurde. Kaputte Klima. Alles klar. Im Nachhinein erfuhr ich auch, dass die Bahn diesen sehr unglücklichen Zugwechsel als “SOMMERKONZEPT” (!!!!!!!) uns Idioten verkauft. Aber hey, schon ok. Ich habe es überlebt. Aber in diesem Zug waren es satte 38 fucking Grad! Die Suppe lief an mir nur so herunter.

IMG_8970Ekelhalft. “In einer Dusche müsste man nun wohnen!” dachte ich so bei mir. Als mal ein Schaffner vorbei ging, hielt ich ihn mal an und fragte ihn, warum man den ganzen Terz mit dem Wechsel der Bahn machte, wenn doch hier auch keine Klima funktionieren würde. “Ach du Scheiße!” meinte er und ging im schnellen Schritt den Flur entlang. 5 Minuten später kam plötzlich rechts von mir kalte Luft aus den Schächten. ENDLICH!!!!!!!!!! Zwar war die Klima sehr schwach auf der Brust, aber wenn man die Türe des Abteils schloss, war alles ganz ok. Der Schaffner hatte sich wohl nicht mehr so wirklich getraut über den Flur zu schlendern, also schickte er seine Kollegin raus. Die nette Dame ging von Waggon zu Waggon und verteilte Wasser in Tetra-Packs. Da krallte ich mir natürlich so eine Packung. Die war auch bitter nötig. Ich musste dann ganz entsetzt feststellen, dass wir erst 30, dann aber 40 Minuten Verspätung hatten! Ich glaubte nicht mehr daran meinen Anschlusszug in Hannover zu erwischen. Aber doch, ich bekam ihn. Zwar auf den letzten Drücker, aber ich war da!

IMG_8982Pitsche patsche nass geschwitzt und außer Atem, aber ich war verdammt nochmal im ICE nach München.

Nachdem ich kurz verschnauft hatte, kramte ich mein ausgedrucktes Ticket aus der Tasche um zu sehen, wo mein reservierter Platz wohl sei. Wie sollte es auch anders sein. Er war besetzt. Besetzt von einem Herrn, der sehr stur zu sein schien. Der verschwand keinen Gedanken daran diesen Platz zu räumen.

IMG_8999“Gut.” dachte ich so bei mir und fing an ihn mit den immer gleichen Sätzen zu nerven. In einem ganz ruhigen und übernetten Ton. “Ok, ok, Sie haben recht!” sagte er zu mir, stand auf und ging mit seiner roten Rübe wohl in das nächste Abteil. So lobe ich mir das. Nun sitze ich hier und lasse die vergangene Woche mir nochmals durch den Kopf gehen, in dem ich jetzt das erlebte mit Buchstaben festhalte. Mit meinem ThinkPad Yoga X1 tippe ich diese Zeilen und ich muss feststellen, dass ich doch etwas geschlaucht bin von dieser ganzen Hektik. Von der Hitze zuvor ganz zu schweigen.

Die nette Schaffnerin ging eben durch um die Fahrscheine zu kontrollieren und teilte mir mit, dass trotz diesen ganzen Problemen pünktlich München gegen 21:05 Uhr erreichen werden. Das ist super. Noch eben meinem Kumpel Michael bescheid geben und dann ist der Tag bald geschafft. Ein weiterer Tag auf Achse.

Michael wird mich am Hauptbahnhof in München abholen und bei ihm werde ich bis einschließlich Montag übernachten. Der ist auch eine Nummer für sich. Das meine ich aber durchaus positiv! Warum und welche ganz besondere Geschichte uns verbindet, werdet ihr das nächste mal erfahren. Ich mach für heute mit der Tipperei mal Schluss und wir lesen uns!

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