Kontrastreicher Eindruck

Ich bin bei einem ausgezeichneten Wetter auf meinem Weg nach Bremen. Die Laune ist hervorragend. Der Song “Mr Brightside” von den Killers dröhnt aus meinen Kopfhörern und ich freue mich ungemein dass es nun endlich wieder mit den Dreharbeiten los geht. Ein wenig emotional bin ich ehrlich gesagt schon. Denn es wird mir bewusst, dass die Arbeit an “The Creative Network” sich dem Ende zuneigt. Aber keine Bange, Arbeit ist noch genügend da. Ich meinte eher das Filmen, durch die Welt ziehen und mich von wunderbaren Begegnungen inspirieren lassen. Die großartigen Menschen die ich bisher treffen und kennenlernen durfte, sind für das Filmprojekt ein Segen. Aber auch für mich selbst. Dazu aber in meinem Fazit nach den Dreharbeiten mehr.

Ich freue mich jetzt erstmal auf die Stadt Bremen. Dort war ich nämlich noch nie. Außerdem freue ich mich wahnsinnig auf morgen Abend. Dann treffe ich die 3 Köpfe von dem Video- / Audiopodcast Apfeltalk Live.

Endlich in Bremen angekommen wird mir beim Spaziergang am Weserufer in Erinnerung gerufen, dass heute Vatertag ist. Viele Menschen auf einem Haufen und davon bestimmt 90% hacke dicht. Vom Geruch schreibe ich bewusst nicht. “Hoffentlich ist das nicht der Normalzustand.” spreche ich so vor mich hin, als mir wieder einfällt “Stimmt, Himmelfahrt…”. Ich konzentriere mich auf meine Umgebung und versuche die ganzen betrunkenen und halbstarken Nicht-Väter auszublenden. Plötzlich muss ich kurz stehen bleiben. Es bot sich ein Anblick der mich irgendwie zum Nachdenken anregt. Am Weserufer (Promenade) gibt es eine Art Überbau. Ich komme auf keine bessere Beschreibung. Wenn man nun vor diesem steht, kann man entscheiden ob man entweder links (vor dem Überbau) oder rechts durch den Überbau läuft. Ich tat erstmal nichts von beidem. Ich stand da und ließ diesen Anblick auf mich wirken. Diese Schatten der Bögen. Auf der linken Seite Menschen die sich amüsieren, auf der rechten Seite kleine Aufbauten aus Einkaufswägen, Plastiktüten und Teppichen. 3 Obdachlose leben hier. Ich stehe noch immer vor dem Überbau und zücke die Kamera. Das Foto wirkt auf mich ungemein. Die Schatten, dazwischen das Licht und kaum wahrnehmbar kann man den Aufbau der Obdachlosen entdecken. Es wirkt auf mich  als sei es ein Spiegelbild des Lebens dieser Menschen. Zwischen Licht und Schatten, kaum von der “Gesellschaft” wahrgenommen.

An der Weserpromenade

Ich grüße beim vorbeigehen lautlos einen Mann, der auf seiner Luftmatratze in seinem selbsterrichteten Reich liegt. Er macht ein freundliches Gesicht und grüßt nett zurück. Mitleid habe ich nicht. Es ist mehr eine Art der Gleichstellung. Wahrnehmen. Und zwar als Mensch, der entweder durch einige Probleme da gelandet ist oder aber durch freien Willen hier ist und aus der Gesellschaft ausgestiegen ist. Damit möchte ich sagen, dass man eben nichts über die Geschichte des Menschen weiß. Und das geht einen auch nichts an. Es sei denn man würde sich mal ein Herz fassen und mit den Menschen die dort zwischen dem Trubel, seitlich unserem Müll leise versuchen zu leben. Wenn man dies macht, hat man eine Chance auf ganz besondere Begegnungen. Und vielleicht erfährt man mit der Zeit was dem Menschen widerfahren ist. Aber Vorurteilen und einfach Missachten, links liegen lassen kann auch nicht die Lösung sein. Besonders nicht im Jahr 2017. Nicht in Zeiten, wo wir denken wie großartig gebildet und modern die “Gesellschaft” sei. Es scheint als habe ich mich verrannt. Keines Wegs. Mir war nur wichtig meine Gedanken loszuwerden.

Ich ziehe weiter Richtung Marktplatz, erforsche das Schnoorviertel und schiebe meinen zarten Körper durch Touri-Gruppen. Das Schnoorviertel ist der älteste Stadtteil der Bremer Innenstadt. Die Häuser sind klein und direkt Mauer an Mauer errichtet, die Straßen sehr eng und das Ambiente bestimmt reizvoll, wenn dieser Menschenauflauf nicht wäre.

Nach meiner kleinen Erkundungstour kehre ich in einem modernen Restaurant am Weserufer ein, genieße ein kühles Weizenbier und lasse mir einen herrlich zubereiteten Burger schmecken. Nach kurzem Aufenthalt zahle ich meine Rechnung, bestaune in aller Ruhe den Sonnenuntergang und ziehe mich in mein Motel zurück, welches sich praktischerweise genau um die Ecke befindet.

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